Internationale Unternehmensberatung in Fragen des Zoll-, Außenwirtschafts-, Warenursprungs- und Präferenz- sowie Verbrauchssteuerrechts
Verschiebung der TARIC-Anpassung: Neue HS-Nomenklatur erst ab 2028
Die Weltzollorganisation (WCO) hat bestätigt, dass die achte Revision des Harmonisierten Systems (HS 2028) erst zum 1. Januar 2028 in Kraft treten wird. Ursprünglich war die Einführung bereits für 2027 vorgesehen. Grund für die Verschiebung sind pandemiebedingte Verzögerungen in den Abstimmungs- und Umsetzungsprozessen der Mitgliedstaaten.
Das Harmonisierte System (HS) ist die Grundlage für alle internationalen Zolltarifsysteme – einschließlich der Kombinierten Nomenklatur (KN) und des TARIC der Europäischen Union. Jede Revision führt zu Anpassungen der Warennummern und Klassifikationen und damit zu Änderungen bei Zollsätzen, Ursprungsregeln, Exportkontrollen und Meldepflichten.
Zeitplan und Veröffentlichung
März 2025: Das Harmonized System Committee (HSC) der WCO hat die Empfehlung für die achte Revision („HS 2028“) provisorisch angenommen.
Dezember 2025: Endgültige Annahme durch den WCO-Rat.
Januar 2026: Veröffentlichung der finalen HS-2028-Nomenklatur durch die WCO.
1. Januar 2028: Inkrafttreten weltweit.
Was sich ändern wird
Mit der achten Revision verfolgt die WCO das Ziel, das Zolltarifsystem stärker an aktuelle wirtschaftliche und technologische Entwicklungen anzupassen. Zentrale Schwerpunkte der HS-2028-Überarbeitung sind:
1️⃣ Neue Warengruppen und Technologieprodukte
Einführung neuer Positionen für Lithium-Ionen-Batterien, Elektrofahrzeug-Komponenten, Wasserstofftechnologie, Photovoltaik-Systeme und Kreislaufwirtschaftsprodukte.
Anpassung der Positionen für Halbleiter, Chips und elektronische Baugruppen, um technologische Entwicklungen in der Mikroelektronik abzubilden.
2️⃣ Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen
Neue Unterpositionen für Recycling-Materialien, Abfallverwertung, erneuerbare Energieträger und Emissionstechnologien.
Präzisierungen zur Erfassung von Plastikabfällen und biologisch abbaubaren Kunststoffen.
3️⃣ Chemie- und Pharmabereich
Neue Codes für biotechnologische und gentechnische Produkte, Impfstoffe sowie medizinische Diagnostik-Kits.
Vereinfachte Zuordnung für Wirkstoffformulierungen und Laborchemikalien.
4️⃣ Sicherheits- und Dual-Use-Aspekte
Präzisierungen bei kontrollierten Gütern (z. B. Dual-Use-Kategorien), insbesondere im Bereich Elektronik, Sensorik, Drohnentechnik und optische Systeme.
Anpassungen zur Unterstützung der Sanktions- und Exportkontrollüberwachung.
Auswirkungen auf Unternehmen
Die Änderungen im HS 2028 führen zu einer Vielzahl organisatorischer und technischer Anpassungen. Unternehmen sollten daher:
Klassifikationen frühzeitig überprüfen, sobald Entwürfe verfügbar sind.
ERP-, Zoll- und Präferenzsysteme bis spätestens Ende 2027 auf neue Codes vorbereiten.
Lieferantenerklärungen und Präferenzkalkulationen regelmäßig aktualisieren.
IKS- und Compliance-Prozesse anpassen, um fehlerhafte Warennummern und daraus resultierende Zollrisiken zu vermeiden.
Schulungen und Sensibilisierungen im Bereich Zolltarifierung und Exportkontrolle neu aufsetzen.
Die WCO wird eine Korrelationstabelle HS 2022 → HS 2028 veröffentlichen, die Unternehmen bei der Umstellung unterstützen soll.
Quellen
- EUR-Lex – COM(2025) 235






